Geburt

CTG und Wehenschreiber: Was die Kurven über deine Wehen zeigen

Kurz gesagt

Ein CTG (Herzton-Wehenschreiber) zeichnet gleichzeitig die Herzfrequenz deines Babys und die Wehentätigkeit auf. Wie oft Wehen kommen, zeigt der äußere Wehenschreiber gut. Ihre Kraft misst er nur grob, weil er außen an der Bauchdecke sitzt. In einer kleinen Vergleichsstudie hing die Höhe der Kurve kaum mit dem Druck in der Gebärmutter zusammen. Eine Wehen-App ersetzt kein CTG, sie speichert nur die Zeitpunkte, die du selbst antippst.

Inhalt
  1. Was ein CTG aufzeichnet
  2. CTG lesen: die zwei Kurven
  3. Wehen im CTG: warum die Höhe wenig über die Stärke sagt
  4. Wann wird ein CTG gemacht?
  5. Gibt es einen Wehenschreiber als App?
  6. Wehen zu Hause notieren, bevor du in die Klinik fährst

Vielleicht lagst du am CTG und hast dich gefragt, warum die Zahl am Monitor so niedrig blieb, obwohl die Wehe richtig wehtat. Oder du suchst einen Wehenschreiber, der zu Hause misst. Das CTG zeichnet die Herzfrequenz deines Babys und die Wehen auf. Wie oft Wehen kommen, sieht man darauf gut. Wie stark sie sind oder wie weh sie tun, zeigt die Kurve dagegen nicht verlässlich.

Was ein CTG aufzeichnet

CTG ist die Abkürzung für Kardiotokografie, auf Deutsch Herzton-Wehenschreibung. Das Gerät heißt Herzton-Wehenschreiber oder kurz Wehenschreiber. Es zeichnet die Herztöne deines Babys und die Häufigkeit der Wehen auf.

Dafür liegt ein Gurt um deinen Bauch, der zwei Aufnehmer hält. Der eine ist ein Doppler-Ultraschallkopf, aus dessen Signalen das Gerät die Herzfrequenz deines Babys berechnet. Der andere ist ein Druckaufnehmer, fachlich Tokodynamometer. Er registriert, wie sich die Spannung an deiner Bauchdecke verändert, wenn sich die Gebärmutter zusammenzieht.

Ein CTG in der Schwangerschaft sollte laut S3-Leitlinie zur fetalen Überwachung 20 bis 30 Minuten dauern. Es sollte in Seitenlage, halb sitzend oder aufrecht geschrieben werden. Flach auf dem Rücken liegen musst du also nicht. Unter der Geburt kann ein CTG auch über mehrere Stunden laufen.

CTG lesen: die zwei Kurven

Auf dem Monitor oder dem Papierstreifen siehst du zwei Kurven. Die obere zeigt die Herzfrequenz deines Babys in Schlägen pro Minute, die untere die Wehentätigkeit.

Die Herzkurve beurteilen Hebamme und Ärztin nach einem festen Schema, dem Score des internationalen Fachverbands FIGO. So empfehlen es die deutschen Leitlinien. Als normal gilt dort:

MerkmalWas gemeint istNormal nach FIGO
Baselinedie Grundfrequenz, um die die Herzkurve verläuft110 bis 160 Schläge pro Minute
Oszillationwie stark die Kurve um die Baseline schwankt5 bis 25 Schläge pro Minute
Dezelerationenvorübergehende Abfälle der Herzfrequenzkeine wiederholten Dezelerationen, also nicht bei mehr als der Hälfte der Wehen

Fehlt eines dieser normalen Merkmale, ohne dass ein krankhaftes vorliegt, heißt das CTG nach FIGO „suspekt“. Auch dann gilt ein Sauerstoffmangel als unwahrscheinlich. Das Team überwacht dich dann engmaschiger und sucht nach Ursachen, die sich beheben lassen.

Die Auswertung gehört in fachkundige Hände. Die S3-Leitlinie zur fetalen Überwachung verlangt, dass jedes CTG dokumentiert und nach dem FIGO-Score bewertet wird. Dem Fachpersonal empfiehlt sie regelmäßige Fortbildungen zur CTG-Analyse. Einzelne Zahlen auf dem Monitor musst du deshalb nicht selbst deuten, frag lieber nach.

Die untere Kurve liest du so: Jede Wehe erscheint als Hügel, der ansteigt und wieder abfällt. Zählst du die Hügel in zehn Minuten, weißt du, wie oft die Wehen gerade kommen.

Infografik

So liest du ein CTG

Obere Kurve: Herzfrequenz deines Babys in Schlägen pro Minute; als normal gilt eine Grundfrequenz von 110 bis 160 (FIGO, grüner Bereich)

Untere Kurve: Wehentätigkeit zeigt gut, wie oft Wehen kommen; ihre Kraft misst der äußere Wehenschreiber nur grob

Schematische Darstellung, keine echte Aufzeichnung. Ob ein CTG unauffällig ist, beurteilen Hebamme oder Ärztin im Zusammenhang.

Wehen im CTG: warum die Höhe wenig über die Stärke sagt

Manche Ratgeber erklären es so: Je höher der Ausschlag, desto stärker die Wehe. Bei der äußeren Messung stimmt das aber nur grob. Der Druckaufnehmer sitzt außen auf dem Bauch und registriert, wie sich deine Bauchdecke spannt. Den Druck in der Gebärmutter selbst misst er nicht.

Das zeigt auch eine Vergleichsstudie von Miles und Kollegen aus dem Jahr 2001. Bei 20 Frauen in der aktiven Geburt wurde zwei Stunden lang doppelt gemessen. Ein Sensor saß außen, ein Druckkatheter in der Gebärmutter. Die Häufigkeit der Wehen stimmte gut überein, die Höhe der Kurven dagegen kaum. Die Studie ist klein, und die Teilnehmerinnen waren im Mittel übergewichtig. Die Autoren folgern, dass man sich in dieser Gruppe nicht allein auf die äußere Messung verlassen sollte.

Schmerz kann ohnehin kein Gerät messen. Wie sich eine Wehe anfühlt, weißt nur du. Sag der Hebamme deshalb, wie es dir geht, auch wenn die Kurve gerade flach aussieht.

Auch ob Wehen den Muttermund öffnen, zeigt der Wehenschreiber nicht. Laut ACOG lassen sich echte Geburtswehen manchmal nur durch eine vaginale Untersuchung von Übungswehen unterscheiden, bei der man nach Veränderungen am Muttermund schaut. Mehr zum Unterschied findest du unter Übungswehen.

Wann wird ein CTG gemacht?

In der Schwangerschaft

In Deutschland legt der Gemeinsame Bundesausschuss in der Mutterschafts-Richtlinie fest, wann ein CTG zur Vorsorge gehört. Danach ist es nur angezeigt, wenn ein bestimmter Anlass vorliegt. Als Screening für alle Schwangeren ist es nicht gedacht. Anlässe sind zum Beispiel:

  • in der 26. und 27. Woche eine drohende Frühgeburt
  • ab der 28. Woche Auffälligkeiten der Herztöne beim Abhören oder der Verdacht auf vorzeitige Wehen
  • für Wiederholungen unter anderem Mehrlinge, der Verdacht auf eine Unterversorgung über die Plazenta, Blutungen aus der Gebärmutter oder der Verdacht auf eine Übertragung

Einer dieser Anlässe ist der Verdacht auf vorzeitige Wehen. Als Anzeichen einer Frühgeburt nennt familienplanung.de:

  • Wehen öfter als dreimal pro Stunde über längere Zeit, oft mit Ziehen im unteren Rücken
  • ziehende, menstruationsähnliche Schmerzen
  • das Gefühl, dass das Baby stärker nach unten drückt
  • blutiger Ausfluss

Bemerkst du so etwas vor der 37. Woche, nimm laut familienplanung.de umgehend Kontakt mit Frauenarztpraxis, Hebamme oder Geburtsklinik auf. Dort prüft das Team zum Beispiel mit Ultraschall oder CTG, ob sich wirklich eine Frühgeburt ankündigt.

Laut S3-Leitlinie zur fetalen Überwachung sollte bei Schwangeren ohne besondere Risiken vor der Geburt kein CTG geschrieben werden. Wenn du wissen möchtest, warum bei dir ein CTG gemacht wird, frag ruhig nach.

In der Klinik und unter der Geburt

Für Frauen ohne besondere Risiken rät die S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ von einem CTG bei der Aufnahme ab. Das gilt, wenn du mit Verdacht auf Geburtsbeginn kommst. In der aktiven Eröffnungsphase soll stattdessen angeboten werden, die Herztöne alle 15 bis 30 Minuten mit Hörrohr oder Doppler abzuhören. Das setzt voraus, dass eine Hebamme sich ganz um dich kümmern kann.

Ein CTG empfiehlt die Leitlinie, wenn beim Abhören etwas auffällt. Ist das Muster unauffällig, kann es nach 20 Minuten wieder abgenommen werden. Ist keine Eins-zu-eins-Betreuung möglich, ist laut Leitlinie ein CTG angezeigt. Bei persönlichen Geburtsrisiken kann eine CTG-Überwachung laut familienplanung.de von Vorteil sein. Wie deine Klinik das handhabt, kannst du bei der Geburtsanmeldung fragen.

Gibt es einen Wehenschreiber als App?

Eine App kann kein CTG ersetzen. Auch unsere Wehen-App misst nichts am Körper. Du tippst, wenn eine Wehe beginnt und wenn sie endet, und die App rechnet daraus Dauer und Abstand aus. Wie genau, steht unter So rechnet die App.

Ob es deinem Baby gut geht, kann eine solche App nicht zeigen. Dafür hören Hebamme oder Ärztin die Herztöne ab oder schreiben ein CTG. Die App nimmt dir aber das Rechnen ab, wenn du nachts zu Hause sitzt und wissen willst, ob die Abstände kürzer werden, und sie meldet sich, wenn deine eingestellte Regel erreicht ist.

Wehen zu Hause notieren, bevor du in die Klinik fährst

Zu Hause schreibt niemand ein CTG mit. Festhalten kannst du selbst den zeitlichen Verlauf deiner Wehen. Genau darum geht es bei der Faustregel für den Weg in die Klinik.

  • Notier Beginn und Ende jeder Wehe, mit Uhr und Zettel oder in der Wehentabelle zum Ausdrucken.
  • Notier außerdem, wann die Fruchtblase gesprungen ist und wie das Fruchtwasser aussah.
  • Halte fest, ob du blutest und ob sich dein Baby wie gewohnt bewegt.

Für das erste Kind nennt familienplanung.de eine Faustregel. Zeit für die Klinik ist es, wenn die Wehen etwa eine Stunde lang regelmäßig alle fünf Minuten kommen. Jede dauert dann ungefähr eine Minute. Ab dem zweiten Kind ist es schon so weit, wenn sie regelmäßig alle zehn Minuten kommen. Hat dir deine Klinik etwas anderes gesagt, gilt ihre Empfehlung.

In der Klinik kannst du der Hebamme deine Notizen zeigen. Sie ersetzen keine Untersuchung, geben ihr aber einen schnellen Überblick, wie sich deine Wehen entwickelt haben.

Wie du Wehen genau misst, erklärt Wehen messen. Wann du losfahren solltest, steht unter Wann ins Krankenhaus.

Sofort anrufen, egal wie die Wehen gerade sind

Bei diesen Zeichen wartest du auf kein Wehenmuster und rufst sofort deine Hebamme oder den Kreißsaal an, auch nachts. Die Liste folgt dem britischen Gesundheitsdienst NHS und der US-Fachgesellschaft ACOG.

  • Die Fruchtblase ist gesprungen, auch wenn du noch keine Wehen hast.
  • Das Fruchtwasser ist verfärbt oder riecht unangenehm.
  • Du blutest aus der Scheide. Etwas Blut im Schleimpfropf kann dazugehören, bei mehr Blut rufst du an.
  • Dein Baby bewegt sich weniger als sonst.
  • Du hast dauerhafte, starke Schmerzen, die zwischen den Wehen nicht nachlassen.
  • Du hast Fieber, also 38 °C oder mehr.
  • Du bist noch keine 37 Wochen schwanger (vor 37+0) und glaubst, dass die Geburt beginnt.
  • Eine Wehe dauert länger als zwei Minuten, oder du hast sechs oder mehr Wehen in zehn Minuten.
  • Du bist unsicher oder machst dir Sorgen. Auch dann darfst du jederzeit anrufen.

Wähl den Notruf 112, wenn du einen starken Pressdrang hast und glaubst, dass dein Baby jetzt kommt.

Quellen dieser Liste: NHS: Signs that labour has begun (2023); NHS: Pregnancy symptoms you need to get help for; ACOG: How to tell when labor begins

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CTG und Wehenschreiber?

Im Alltag meinen beide dasselbe Gerät. CTG steht für Kardiotokografie, auf Deutsch Herzton-Wehenschreibung, und Wehenschreiber ist die Kurzform von Herzton-Wehenschreiber. Genau genommen zeichnet der Wehenschreiber nur die Wehen auf, also die untere Kurve im CTG.

Was bedeuten die Zahlen auf dem Wehenschreiber?

Bei der äußeren Messung zeigen sie, wie stark sich die Spannung an deiner Bauchdecke ändert. Einen festen Wert, ab dem eine Wehe als stark gilt, kannst du daraus nicht ablesen. In einer kleinen Vergleichsstudie hing die Höhe der äußeren Kurve kaum mit dem Druck in der Gebärmutter zusammen. Aussagekräftig ist vor allem, wie oft die Wellen kommen.

Ab welcher Schwangerschaftswoche wird ein CTG gemacht?

Nur mit Anlass, so legt es der Gemeinsame Bundesausschuss in der Mutterschafts-Richtlinie fest. In der 26. und 27. Woche ist das eine drohende Frühgeburt. Ab der 28. Woche sind es zum Beispiel auffällige Herztöne oder der Verdacht auf vorzeitige Wehen. Für Schwangere ohne besondere Risiken rät die S3-Leitlinie zur fetalen Überwachung von einem routinemäßigen CTG vor der Geburt ab.

Wie lange dauert ein CTG?

In der Schwangerschaft dauert ein CTG meist 20 bis 30 Minuten, so empfiehlt es die S3-Leitlinie zur fetalen Überwachung. Geschrieben wird es am besten in Seitenlage, halb sitzend oder aufrecht. Unter der Geburt kann es auch über mehrere Stunden laufen.

Welche CTG-Werte sind normal?

Die deutschen Leitlinien nutzen das Schema des internationalen Fachverbands FIGO. Danach gilt eine Grundfrequenz von 110 bis 160 Schlägen pro Minute als normal. Die Kurve schwankt dabei um 5 bis 25 Schläge pro Minute, und die Herzfrequenz fällt nicht wiederholt ab. Ob ein CTG insgesamt unauffällig ist, beurteilen Hebamme oder Ärztin im Zusammenhang.

Gibt es eine Wehenschreiber-App?

Eine App kann kein CTG ersetzen. Wehen-Apps wie unsere messen nichts am Körper. Sie speichern nur die Zeitpunkte, an denen du Beginn und Ende einer Wehe antippst, und berechnen daraus Dauer und Abstand. Ob es deinem Baby gut geht, kann eine solche App nicht zeigen, dafür hören Hebamme oder Ärztin die Herztöne ab oder schreiben ein CTG.

Quellen

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinie, Anlage II Indikationen zur Kardiotokografie (Fassung 2023, zuletzt geändert 2026)
  2. AWMF: S3-Leitlinie Fetale Überwachung in der Schwangerschaft, Registernummer 015/089, Kurzversion (Stand Februar 2023, gültig bis 31.01.2028)
  3. AWMF: S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin, Registernummer 015/083, Langfassung (Stand 22.12.2020, gültig bis 21.12.2025)
  4. FIGO: Ayres-de-Campos D, Spong CY, Chandraharan E: FIGO consensus guidelines on intrapartum fetal monitoring: Cardiotocography. Int J Gynaecol Obstet (2015)
  5. Miles AM, Monga M, Richeson KS: Correlation of external and internal monitoring of uterine activity in a cohort of term patients. Am J Perinatol (2001)
  6. ACOG: How to Tell When Labor Begins (2025)
  7. familienplanung.de (BIÖG): Wie verläuft eine Geburt? (2024)
  8. familienplanung.de (BIÖG): Frühgeburt, wenn es der Nachwuchs eilig hat (2024)

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Im Zweifel ruf bitte immer deine Klinik oder Hebamme an, im Notfall die 112.

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